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Lebensmittellogistik: Wie Logistiker im Foodmarkt erfolgreich agieren

Apfel auf Paletten

In der Lebensmittellogistik gilt es, hohe Qualitätsanforderungen einzuhal-ten. (Foto: Pixabay)

Als größter Teilmarkt des Einzelhandels und mit fast 6.000 Erzeugern plus Gastgewerbe ist die Lebensmittelbranche für Logistiker sehr lukrativ: Laut einer der Studie „Zukunftstrends der Lebensmittellogistik – Herausforderungen und Lösungsimpulse“¹ der TU Berlin wurden schon vor fünf Jahren allein in Deutschland rund 20 Milliarden Euro für Lebensmittellogistik ausgegeben, von einem seither steigenden Trend ist auszugehen.

Kein Wunder also, dass die Lebensmittellogistik zu den stärksten Logistiksparten gehört – dem Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV)² zufolge boten schon 2015 rund 35 Prozent aller Logistiker Leistungen aus diesem Bereich an.

Jedoch kann nicht jedes Unternehmen, das Frachtraum und/oder Lagerfläche frei hat, in diesem bedeutenden Teilmarkt mitmischen. Zum einen erfordern das schwierige Marktumfeld³ und die Konkurrenzsituation eine ausgeklügelte Dienstleistungspalette, jede Menge Expertise und spezielles Equipment. Zum anderen müssen hohe Qualitätsstandards erfüllt sein.

Wir zeigen, was zu beachten ist.

Die Lebensmittellogistik ist eine Sparte mit einem breiten Dienstleis-tungsspektrum. Das liegt einerseits an den heterogenen Kundengruppen: Foodlogistiker werden von der Nahrungsmittelindustrie, vom Einzelhandel und vom Gastgewerbe engagiert. Sie sind sowohl im B2B- als auch im B2C-Geschäft tätig. Andererseits genügt es beispielsweise aufgrund der hohen Kundenanforderungen und Qualitätsstandards nicht, die oft sensible Ware „nur“ zu liefern und zu lagern.

Dienstleistungspalette in der Lebensmittellogistik

Zu den Transportdienstleistungen in der Foodlogistik gehören insbesondere Beschaffung, Belieferung von Zentral- und Regionallagern oder Filialen, Zustellung an Endverbraucher sowie Convenience-Food-Lieferungen. Kühl- oder Frischetransporte, Same-Day-Delivery und Cross-Docking gehören dabei oft zum Tagesgeschäft.

Bei der Lagerung und beim Lagermanagement geht es um die Aufbewahrung und Bereitstellung von Warenbeständen. Für alle Lebensmittel, die nicht zu verderblich sind, um zwischengelagert zu werden, gilt: Wenn sie nicht direkt zum Empfänger gebracht werden, müssen im Lager Gegebenheiten herrschen, die die Qualität der Produkte sicherstellen. Das können zum Beispiel bestimmte Temperaturen sein oder Reinraumbedingungen. Bei der Bereitstellung der Waren ist auf das Mindesthaltbar-keitsdatum (MHD) zu achten. Das First-in-first-out-Prinzip hilft zu verhin-dern, dass Lebensmittel im Lager schlecht werden.

Besonders groß ist die Palette an Value Added Services (VAS) in der Foodlogistik. Darunter fallen klassische Mehrwertdienstleistungen, die es in nahezu allen Logistiksparten gibt, ebenso wie qualitätssichernde und auf Handel einschließlich E-Commerce ausgerichtete VAS.

 

  • Klassische VAS: Kommissionierung, Konfektionierung, Etikettie-rung, Relabeling, Um- und Verpackung
     
  • Qualitätssichernde VAS: Probenentnahmen, MHD- und Char-genverwaltung
     
  • VAS für stationären Handel und E-Commerce:  Displaybau und -bestückung, E-Commerce-Fulfillment vom Bau über die Bestückung sowie den Versand von Nahrungsmittelboxen bis hin zum Retourenmanagement

Anforderungen an Lebensmittellogistiker

In einem Punkt sind sich Lebensmittelindustrie, Handel, Gastgewerbe und Endverbraucher einig: Sie erwarten von Foodlogistikern höchste Qualität. Die Logistiker haben nicht nur dafür Sorge zu tragen, dass die Produkte genießbar sind, wenn sie beim Empfänger ankommen. Sie sollen ihre Supply Chain auch möglichst nachhaltig und transparent gestalten. Lebensmittellogistik sollte daher folgende Kriterien erfüllen:

  • Schnelligkeit und Zuverlässigkeit: Insbesondere bei Frische-produkten sollte die Lieferung Just-in-time erfolgen. Eine exakte Planung hinsichtlich Verkehrswegen und Nachfrageprognosen sind die Voraussetzung dafür.
     
  • Hygienischer Umgang mit Produkten: Lebensmittel dürfen nicht mit Keimen oder anderen Schädlingen in Berührung kommen. Daher sollten sie beispielsweise nicht mit dem Boden in Kontakt kommen.
     
  • Lückenlose Dokumentation: Das Gesetz und die Konsumenten fordern, dass die Lieferkette von Lebensmitteln lückenlos zurückzuverfolgen ist. Sprich: Lieferanten und Verbraucher müssen in die Lage versetzt werden können, alle beteiligten Akteure zu identifizieren.
  • Qualitätskontrollen: Die Produkte müssen regelmäßig begutachtet werden.
  • Nachhaltigkeit: Vor allem die Endverbraucher wünschen sich verstärkt eine nachhaltige Lebensmittellogistik. Für die Dienstleister ist es daher ratsam, wo immer möglich ihre Emissionen zu re-duzieren, indem sie beispielsweise auf E-Mobilität und andere al-ternative Antriebe oder Netzwerke für innerstädtische Belieferung zu setzen.

Qualitätsstandards in der Lebensmittellogistik

Qualitätskriterien einzuhalten ist in der Foodlogistik nicht nur ein Nice-to-have, sondern Pflicht. Die EU-Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene besagt, „dass jeder, der in der Lebensmittelindustrie tätig ist, eine gute Hygienepraxis auf allen Stufen des Herstellungsprozesses sicherstellen muss“. Das gilt auch für Logistikdienstleister. Kleinbetrieben beispielsweise, die nur lokale Kunden beliefern, können Ausnahmen gewährt werden. Generell ist der Verordnung zufolge allerdings die Einhaltung des HACCP-Prinzips bindend.

HACCP steht für Hazard Analysis and Critical Control Points (Gefahren-analyse und kritische Kontrollpunkte). Logistikdienstleister können sich die Einhaltung der Regeln zertifizieren lassen, sind dazu in der EU aber nicht verpflichtet, sondern können die Punkte auch ohne Zertifikat umsetzen:

  • Gefahrenbestimmung:  Was kann die Sicherheit der Lebensmittel gefährden?
  • Identifikation kritischer Punkte:  Wo liegen – bezogen auf einen speziellen Betrieb – die kritischen Punkte in Bezug auf Lebensmit-telsicherheit?
  • Festlegung der Eingreifgrenzen: Bei welchen Ereignissen muss eingegriffen werden, um die Sicherheit der Lebensmittel gewährleisten zu können?
  • Einführung von Verfahren: Wie können die kritischen Punkte überwacht werden?
  • Festlegung von Korrekturmaßnahmen: Was muss bei Nor-mabweichungen passieren?
  • Überprüfung der des Kontroll- und Lenkungssystems: Sind die identifizierten Eingreifgrenzen, Verfahren, Korrekturmaßnah-men geeignet, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten?
     
  • Dokumentation aller Maßnahmen

Verstöße gegen die EU-Richtlinie und das HACCP-Prinzip sind mit harten Strafen belegt.

Über die gesetzlichen Regelungen hinaus gibt es weitere Qualitätsstandards, denen sich Unternehmen freiwillig verpflichten können.
Zertifizierungen erleichtern in der Regel die Kundengewinnung. Für Lebensmittellogistiker relevant sind:

  • IFS Food
  • Umweltmanagement nach der DIN ISO 14001
  • Qualitätsmanagement nach der DIN ISO 9001

Equipment und Personal für Lebensmittellogistik

Um die Standards zu erfüllen, müssen die technische und personelle Ausstattung eines Logistikdienstleisters auf die Lebensmittellogistik ausgerichtet sein.
Dazu gehören:

  • Fahrzeuge: temperaturgeführte und -überwachte Lkw und Transporter – zum Teil mit unterschiedlichen Temperaturbereichen, Tankfahrzeuge, isolierte Kofferaufbauten
  • Lager: Trockenlager (5 bis 20 Grad Celsius, 70 Prozent Luftfeuchte, keine direkte Sonneneinstrahlung), Kühllager (-2 bis 5 Grad Celsius, 80 bis 90 Prozent Luftfeuchte), Gefrierlager (-20 Grad, gute Lüftung, Trockenheit), Reinraumlager
  • Software: Transport- und Lagermanagementsoftware sollte MHD- und Chargenverwaltung sowie Temperaturüberwachung lückenlos abbilden. Ideal ist die system- und akteursübergreifende Vernetzung.
     
  • Personal: spezielle Schulungen

LogCoop kann Lebensmittellogistik

Das Thema Lebensmittellogistik ist komplex. Wenn Sie als Logistiker Fragen dazu haben oder als Industrieunternehmen, Gastbetrieb oder Händler auf der Suche nach einem Dienstleister sind, dann sind Sie bei uns genau richtig:

  • Für Mitglieder (Logistiker): Unsere erfahrenen Mitarbeiter beraten rund um Vorschriften, Zertifikate und Ausstattung oder entwickeln mit Ihnen Logistikkonzepte.
  • Für Kunden (Industrie, Gastgewerbe, Händler): Viele unserer Mitglieder bieten Foodlogistik-Services an. Hygiene und ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln stehen dabei für sie im Vordergrund und die geltenden Standards werden eingehalten. Sprechen Sie uns an und wir finden für Sie den passenden Logistikpartner.


Links aus der Einleitung:

¹ Zukunftstrends der Lebensmittellogistik – Herausforderungen und Lösungsimpulse“
² Deutscher Speditions- und Logistikverband (DSLV)
³ Das schwierige Marktumfeld

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